Galerie Race Across Europe 2019

Foto-Tagebuch mit Livebericht
zur Gesamtstrecke auf GoogleMaps

1. Tag: Von den grünen Hügeln der Normandie bis ins Elsass

Heute haben wir noch Vorbereitungen getroffen und festgestellt, was trotz aller Listen noch fehlt und was ich (Mona, Bernhards Semi-Support 😉 morgen noch besorgen muss, haben unser Auto beklebt, versucht, Bernhard noch gut zu nähren und die Hitze zu überleben. Morgen wird es besser: Fahrtwind kühlt 🙂 Morgen früh um 10 Uhr ist dann Start. Bernhard hat die Trackingnummer 4 und ist unter Bernstein Rracing auf der Tracking-Webseite gelistet. Witzigerweise haben wir für unser Auto die Startnummer 1 bekommen. 😉

Bernhard hat den Tag heute gut herum gebracht und ist bis jetzt fröhlich geradelt. Wir hatten hier sogar angenehme Temperaturen um die 25°. Die Strecke ging sehr viel hügeliger los als erwartet. Mittlerweile haben wir auch die schönen bergigen Ardennen durchquert und jetzt fährt er gerade in den Sonnenuntergang hinein und genießt das goldene Licht.

Gestern hat Bernhard – nach fast 400 km – 3 Stunden geschlafen und ist morgens um 5 Uhr, nach insgesamt vier Stunden Pause, weitergefahren. Die Streckenführung ist für Fahrradfahrer wirklich sehr angenehm: es geht über kleine, meist verkehrsarme Straßen durch Gebiete, die touristisch nicht so hipp und genau deshalb sehr interessant sind. Jenseits der großen Autobahnen haben wir eine Menge kleiner, netter Ortschaften mit schönen alten Gebäuden, kleinen Kneipen, Schlösschen und Kirchlein verschiedenster Architektur und Epochen in lieblichen, bisweilen bergigen, teilweise abgelegenen Landschaften durchfahren.
Ich kann die Strecke allen radInteressierten Menschen bislang durchaus empfehlen.

Ein Dachzelt mitzunehmen stellt sich als gute Entscheidung heraus, da wir entlang der Strecke, bis auf wenige Ausnahmen, so gut wie auf keinen Zeltplatz getroffen sind. Und nachts um eins hat auch keine Pension oder kein Gasthof mehr offen.
Es erlaubt uns auch, nachts einfach nach Bedarf anzuhalten und kurz unser Dachzelt auf dem Auto hoch zu kurbeln.

Heute Morgen fiel es Bernhard erst ein bisschen schwer, nach nur 3 Stunden Schlaf wieder den richtigen Tritt zu finden. Mittlerweile geht es aber wieder richtig gut. Wir sind jetzt durch das recht bergige und landschaftlich sehr schöne Elsass gefahren und nähern uns der deutschen Grenze. Besuch entlang der Strecke ist hoch willkommen! Wollt ihr ein Stück mitfahren? Laut Regelwerk sind aber mindestens 100 Meter Abstand zum Rennfahrer erforderlich.

 

2. Tag: Schwarzwald – Alb – Allgäu: mit Schwerverkehr und auf Feldwegen

Bernhard hat gerade seinen Kollegen David an der Strecke  [im Schwarzwald] getroffen. Er war super überrascht und hat sich mächtig über den Besuch gefreut!!

Bei Sonnenuntergang waren wir genau auf dem Grat und hatten einen wunderbaren Blick in die Vogesen. Genau am steilsten Stück war eine Umleitung bei Sand, somit musste er noch ein bisschen höher hinauf über Neusatz bis zum Schwarzwaldkamm. Wir sind jetzt schon an Freudenstadt vorbei. Bernhard hat auch gestern wieder seine 400 km abgehakt und ist nach drei Stunden Schlaf und 4 Stunden Pause heute Morgen um 5 Uhr nach einem Kaffee weiter geradelt.

 

Ja, die 1000 km haben wir geknackt. Allerdings war heute doch ein eher herausfordernder Tag für Bernhard. Er hat letzte Nacht kaum geschlafen, kam dann doch morgens mit Kaffee noch ganz gut in die Puschen, leider war ich später durch eine Baustelle, die ich großräumig umfahren musste, verhindert und konnte nicht schnell genug bei ihm sein; er ist dadurch ziemlich dehydriert. An manchen Streckenabschnitten ist es nicht so einfach Wasser zu finden. Als Folge lief es dann für ihn nicht ganz so, wie gewünscht. Er ist noch am Fahren und und am Überlegen, wie viel Schlaf er sich heute Nacht gönnen soll.

Landschaftlich waren heute wunderschöne Abschnitte dabei. Sonnenaufgang und ein frischer Morgen im Schwarzwald, dann teilweise über außergewöhnlich winzige, super hübsche Straßen über die Alb mit Bauernhöfen, Wiesen und Feldern, Bergen und Tälern und sehr verwinkelten Dorfstraßen, sehr abwechslungsreich.
Allerdings waren auch sehr verkehrsreiche Streckenabschnitte auf großen Bundesstraßen dabei, da bin ich teilweise direkt hinter ihm her gefahren, weil Radfahren auf diesem Straßen wirklich keinen Spaß macht.
Ich bin mal gespannt, wie weit er heute noch kommt. Ich habe auf jeden Fall schon wieder 25 weitere Pülverchen-Portionen gemixt, damit unser Held sein Superfood bekommt. Mein Wunschfutter würde allerdings deutlich grüner ausfallen. Aber für eine nach Carbs gierende Tretmaschine ist das wohl genau der richtige Treibstoff. Und er ist dabei auch noch unglaublich effizient! Das Auto schluckt deutlich mehr.
Nach dem Rennen gibt es VeggiePur statt MaltoKur.

 3. Tag: Vom Druchhänger zum Fliegen  – vom Allgäu nach Kärnten

Bernhard ist gerade nach Österreich reingefahren. Ich bin noch auf Aufholjagd. Er fährt ja schon wieder seit 5 Uhr. Und gerade habe ich in der St. Bernhard Apotheke endlich Nachschub für seine Tretmaschine bekommen. Die ißt nämlich Fresubin.
Vielen Dank für all eure Begleitung und eure guten Wünsche! Bernhard freut sich sehr darüber und es gibt ihm immer mehr Kraft weiterzumachen. Für uns ist das ja auch Neuland jenseits der1000 Kilometer Marke. [Die längste Strecke am Stück waren bisher – solo unsupportet –  die 1000 km der Miile du Sud durch die französischen Alpen, bzw. 840 km Race Across Oregon 2017 mit Support.]

Hey Leute, nicht nur Bernhard sondern auch ich freue mich über euer reges Feedback und unseren Austausch! Fühlt sich an, als ob ihr alle dabei seid! [Siehe Live-Kommentare auf der Race Across Europe Seite]

Bernhard ist heute viel besser drauf. Nach 4 Stunden Schlaf, also 5 Stunden Pause letzte Nacht, ist er mit derselben Durchschnittsgeschwindigkeit geradelt wie gestern, obwohl er heute vier dicke Pässe überwinden musste! Er hängt gerade am 4. [Turracherhöhe in Kärnten] oder soll ich besser sagen: er fliegt in hoch?

Ich habe hier auch einen echten sogenannten Geheimtipp für euch: wir sind gerade durch das Murtal bei Kanderbrück in Österreich gefahren. Es ist UNESCO Kulturerbe und Biosphärenreservat. Obwohl der Himmel ziemlich bedeckt ist und es vorher wohl kräftig geregnet hat, ist es wunderschön hier!! Also behaltet den Tipp für euch – grins. Wir fahren jetzt weiter auf die Turracherhöhe.
Was für mich spannend ist hier an diesem Rennen – dieser Aspekt rangiert natürlich weit hinter der Helden-Betreuung 😀 – sind Gegenden in unserem schönen und abwechslungsreichen Europa zu entdecken, die ich sonst wahrscheinlich nicht besucht hätte und die mich doch sehr positiv überraschen.

Und ganz abgesehen von all den spannenden landschaftlichen Entdeckungen, ist es wirklich eine coole Sache einen Rennradler bei so einem Ultra Event zu begleiten! Es thrillt. Man muss einfach an so vieles gleichzeitig denken, so vieles gleichzeitig erledigen und es kommen immer wieder unvorhergesehene Herausforderungen, die es zu umschiffen gilt… Und dazwischen noch ein paar Kniebeugen machen, damit die Gelenke fahrtauglich fürs Auto bleiben. Bei alledem dann bitte gute Laune behalten und den Fahrer unbedingt motivieren und zu Höchstleistungen anspornen, auch wenn es regnet und so tun, als ob er jetzt das beste 5 Sterne Menu bekommt, wenn ihr wieder mal mit dem Fläschchen am Wegrand steht! I love the vibe.
PS: ich kann mir gut vorstellen, dass ihr in einem nächsten Support-Team für Bernhard super willkommen seid! Ihr wisst, an wen ihr euch bei Interesse vertrauensvoll wenden könnt.

Bernhard lässt euch alle herzlich grüßen! Er hat mir gerade mitgeteilt, dass er heute Morgen nachdem er aufgestanden ist, sich überlegt hat, ob er nicht aufhört. Nur weil ich noch geschlafen habe und er mich nicht wecken wollte, ist er aufs Rad gestiegen und losgefahren. Das war, bevor ich ihm eure Kommentare und Wünsche vorgelesen habe! Jetzt versucht er, das letzte noch aus den Beinen raus zu quetschen um die Turracher Höhe zu meistern.

 

 4. Tag: Durch die wilden Berge Sloweniens – steile Kehren mit Kopfsteinpflaster am Vršič-Pass

Hallo ihr Lieben,
Bernhard hat heute wirklich unglaubliches geleistet: er ist den Vršič-Pass hoch getreten, mit 1611 m der höchste Pass Sloweniens. Dieser Pass ist fast durchgehend 14 % steil, hat an jeder Kehre Pflaster, er ist schon allein vom Verkehr her auf dieser super engen Straße eine Herausforderung [deshalb hatte ich auch leider keine Zeit für Fotos], die Landschaft ist überirdisch schön, so wie das gesamte Dreiländereck Österreich-Slowenien-Italien.
Vorher müssen unglaublich heftige Gewitter runtergegangen sein, Bernhard musste sich durch Erdmassen von Erdrutschen quälen. Ich habe danach erstmal seine Schuhe mit der Spülbürste geschrubbt, damit er wieder in die Pedale einklicken konnte.
Um das ganze zu toppen, musste er den gesamten Pass alleine hochfahren, weil ich wegen einer Baustelle vor dem Pass einen riesen Umweg zu fahren hatte und ihn deshalb am Pass nicht unterstützen konnte.
Er musste also darben und dann auch noch selbst Wasser und zu essen besorgen. Ein Semi-Support ist einfach keine volle Unterstützung.
Danach wurde es sehr heiß und im ersten flacheren Teil von Italien äusserst verkehrsreich, mit engen Straßen und vielen LKWs, so dass ich ihm mit dem Auto dauernd gefolgt bin, weniger zur Freude der Autos hinter uns. Aber ein bisschen Gehupe zu ertragen ist durchaus ein Leben wert .

Zwischendurch haben wir immer wieder seinen Hintern verarztet, weil das Sitzproblem wächst. Aber alles in allem, kommt er dennoch wieder gut voran, nachdem Hungerloch vom Mittag und er ist auch psychisch wieder ganz gut drauf. Er ist ohnehin so ein Stehaufmännchen.

Jetzt wird es gerade etwas ruhiger auf den Straßen und auch etwas kühler, bevor wir dann, wie ich mir habe sagen lassen, die meistbefahrenste Strecke mit dem schwersten Verkehr der ganzen Tour durchfahren. Sie beginnt in Treviso und geht 400 km durch die Poebene. Wenn ihr also morgen nichts von mir hört, dann wisst ihr, dass ich einfach meine Hände vom Steuer nicht lassen kann, weil ich Bernhard folge.

 5. Tag: Italiens lärmende Poebene und das liebliche Piemonte

Wir sind heute um 4 Uhr, als die Vögel schon ihren Morgengesang angestimmt haben, ins Zelt geklettert. Bernhard ist sofort in Tiefschlaf gefallen. Ich frage mich immer, wie er es schafft, mit mehr als 400 km in den Beinen noch die Leiter hoch zu steigen, und ins Zelt zu krabbeln.
Da ich gestern Nacht unter klarem Sternenhimmel mit frischer Neumondsichel die ganze Zeit hinter ihm her gefahren bin, konnte ich natürlich nichts vorbereiten: keine Zaubertränke mischen, keine Waschutensilien und Cremedöschen zurecht legen, Espressokocher fertigmachen, Bananen, Radklamotten und frisch geladenen Tacho, Wattmesser und Navigationsgeräte bereitstellen. Und deshalb ist er heute Morgen entsprechend spät erst los gekommen und hat leider dadurch einiges an Zeit verloren. Aber so sind wir zumindest um den heftigsten Berufsverkehr herum gekommen. Mit einer zweiten Support Person und einem VW Bully würde er mindestens täglich noch eine Stunde länger fahren können. Auch die Zeit für die Wasser- und Essenssuche unterwegs und würde er sparen.
Wie auch immer, Zeit ist wohl selbst auf einem Radrennen nicht alles. Irgendwie scheint er bei all den Strapazen dennoch glücklich zu sein und sich zu freuen, Europa auf dem Rad zu durchqueren.
Er ist heute bereits 100 km gefahren. Und es liegen noch mindestens weitere 150 stark befahrene Straßenkilometer bei mittlerweile schwülen 32 Grad unter dunstig blauem Himmel vor uns.
Die endlosen geraden Straßen, das konstante Dröhnen der vorbeifahrenden LKWs und Autos, der immer gleiche Tritt in der immer gleichen Ebene sorgen für eine gewisse Monotonie, die sich ganz anders anfühlt als die abwechslungsreichen erfrischenden Berge, wo wir nach jeder Kehre durch eine neue Aussicht überrascht wurden.

Bernhard fliegt durch die Dämmerung über das weite Land. Die Kühle der Nacht breitet sich aus mit einer frischen Brise. In jedem Baum singt eine Grille ihr lautes Lied. Es riecht nach Sommer. Das ist die Zeit zum Genießen.
Bernhard meinte gerade, er hätte da, genau in dieser Zeit, so eine unglaubliche Gelassenheit und innere Freude.
Er hat die ersten ruhigeren Berge erklommen, ist mitten durch feiernde Menschenmengen auf einem Dorffest gefahren, die heißen lärmigen Ebenen liegen hinter uns… Wir hatten heute 36 Grad. Bernhard hat regelmäßig sein Funktionsshirt ins Wasser getaucht und seinen Kopf mit Sprudel geduscht. Jetzt ist die Zeit der Belohnung nach all dem Schweiß. Ich wünsche euch einen wunderbaren Start ins Wochenende! …gerade eben lieben wir das Leben!

6. Tag: Vom Col d’Agnel – dem Dach der Tour – bis in die Provence

Wir haben heute im italienischen Dorf Tre Stelle übernachtet mit gigantischer Aussicht über ein liebliches Tal. Es türmen sich Haufendörfer auf den Weinberghügeln mit typischer alter italienischer Architektur. Ich kann die Gegend entlang des Tracks zwischen Asti und Alba absolut empfehlen!

Bernhard ist gerade dabei, den 2744 Meter hohen Pass Col d’Agnel zu erklimmen. Die wilde Alpenlandschaft hier ist grandios! Auf beiden Seiten, sowohl auf der italienischen als auch auf der französischen. Wir sind hier in vergangenen Jahren schon öfters Tandem gefahren und der Col d’Agnel hat uns mit Schnee und Hagel oben begrüßt. Mitten im Sommer! Heute ist dagegen super Wetter!

Allerdings kann ich Bernhard heute auch nicht so optimal unterstützen, da wir in ein EXISTENZIELLES Problem reinlaufen: wir haben zu wenig Vanille Fresubin dabei. Es hat sich herausgestellt, dass Bernhards Magen Cappuccino Fresubin nicht verträgt. Leider sind ein Drittel unserer Vorräte Cappuccino Fresubin. Das heißt, ich bräuchte 60 bis 80 Fläschchen Vanille Fresubin als Ersatz. Bernhards Magen ist auf so langem Rennen verständlicherweise immer eine ziemlich heikle Angelegenheit. Das gesamte System ist unter einer solch extremen Belastung ohnehin schon ziemlich gestresst und da ist eine funktionierende Verdauung – DER Energielieferant! – eine existenzielle Voraussetzung für die Fortbewegung.
Ich war bereits in sämtlichen italienischen Apotheken und konnte kein einziges Fresubin oder guten Ersatz bekommen. In Frankreich brauchen sie 24 Stunden Vorlauf, um es zu bestellen und morgen ist Sonntag. Am Montag sind wir wahrscheinlich aus Frankreich schon wieder draußen. Und in Spanien…??? Ehrlich, ich habe keine Ahnung, was bis dorthin ist und wann wir genau dort sein werden und wie wir überhaupt dorthin kommen, weil wir dringend Nachschub brauchen. Wir haben hier eine dringende Situation!

Wahrscheinlich werde ich bald kein Mobilfunksignal mehr haben, weil wir in die höheren Pass Regionen kommen… Wenn jemand von euch also eine Idee hat, bitte meldet euch bei mir. Herzlichen Dank für eure Unterstützung und Ideen!!

Vielen Dank für eure wertvollen Hinweise, Ideen und Recherche! Hat mir sehr geholfen und auch Zeit gespart!! Vor allem bei dem dünnen Mobilfunknetz! Ich habe jetzt zumindest in Frankreich mit einer netten Apothekerin Ersatz finden können, der erst mal bis Dienstag reicht. Vive la France!
Bernhard ist noch unterwegs, Er hat mit über 2500 km heute nicht nur den höchsten Pass dieser Tour sondern auch über die Hälfte der Strecke zurück gelegt.
Fand ich vor ein paar Tagen Herausforderungen spannend? Heute hatte ich sie und sie gehen weiter… 😉 Wird schon werden.

7. Tag: Die Grandiosität des Mt Ventoux

Heute Morgen war vor dem Mt Ventoux ein super heftiges Gewitter. Es hat waagerecht geregnet wie aus Eimern mit Hagel und Wind und allem drum und dran. Ich war auf Aufholjagd, weil Bernhard schon früher los ist. Ich habe ihn eingeholt, als das Gewitter gerade vorbei war. Er schaut mich strahlend an und meint, das sei die Bergtaufe gewesen. 😀 Er ist jetzt die nächsten drei Stunden mit dem Anstieg auf dem Mont Ventoux beschäftigt.

Bernhard sitzt jetzt seit einer Woche auf dem Fahrrad mit durchschnittlich 3,5 Stunden Schlaf pro Tag. Er ist in diesen sieben Tagen von Boulogne-sur-Mer über Slowenien bis zum Mont Ventoux gefahren. Heute morgen um 9:41 Uhr hat er den Gipfelpunkt des Mont Ventoux nach 2564 km erreicht. Er meint, es geht mit jedem Tag besser. Bis auf die Sitzprobleme. Heute Morgen habe ich ein erstes Pflaster für eine wunde Stelle ausgepackt. Drücken wir ihm die Daumen, dass er weiterhin durch die Lande braust, seinem südlichen Ziel entgegen.

Ich hatte zwischendurch auch ein paar Adrenalinstöße, weil im französischen Outback, trotz meiner 7 verschiedensten Bank- und Kreditkarten, keine Zapfsäule ein bisschen Sprit rausrücken wollte. Ich habe mit dem letzten Tropfen den Gipfel des Mt Ventoux erreicht und mich dann einfach hinunter bis zur Tankstelle rollen lassen. So leer war der Tank noch nie!

Fans wilder, südfranzösischer, hochalpiner Berglandschaften ohne Skilifte, mittendrin die tief eingeschnittene Schlucht des Guil, dürften vom Queyras begeistert sein. Ich gebe ihm volle 5 Sterne. (Fotos oben, nach dem Col d’Agnel.) Das Queyras ist einer meiner absoluten Lieblinge in Frankreich. Mittlerweile ist auch hier fast jedes Haus renoviert und die touristische Infrastruktur weiter ausgebaut als vor 20 Jahren – ein Café am Wegrand ist ja auch willkommen.

Auch der Gipfelblick auf dem Mt Ventoux war heute Morgen grandios! Super klare Weitsicht in die Alpen. Gipfel hinter Gipfeln hinter Gipfeln türmen sich, so weit das Auge reicht.

8. Tag: Die Pyrenäen – Gewitter am Col d’Arès

Okay, wir haben wieder mal Bergtaufe. Ich stehe gerade oben am Col d“Ares und warte auf Bernhard. Ich wollte ein paar tolle Fotos machen… stattdessen rütteln die Sturmböen am Auto und es gibt wieder mal Regen – waagerecht. Bernhard wird diese letzte kühle Dusche wohl genießen können, denn anschließend kommt die Feuertaufe in der spanischen Wüste. Joe Mearns, Veranstalter des Rennens, hat uns heute mitgeteilt, dass dieses Jahr das heißeste Rennen in der gesamten Laufbahn von RACE Across Europe sein wird.

Bernhard hat um 15:10 Uhr den Pass mit 1513 m erreicht, und hat somit 3060 km auf seinem Drahtesel bewältigt.

Ich habe heute mit vereinten Kräften noch eine Fresubinquelle aufgetan – GAANZ HERZLICHEN DANK FÜR ALL EURE GROßZÜGIGE UNTERSTÜTZUNG! Es ist wunderbar, dies zu erfahren! 🙂 habe Wasser und Diesel geladen und im Waschsalon die Radklamotten aufgefrischt. Und jetzt ab nach Spanien, durch die heißen kommenden 1640 km. Einen Vorgeschmack hatten wir bereits gestern mit 36 °C, streckenweise völlig ohne Wasser auf aufgeheiztem Teer. Der härteste Teil dieses Rennens beginnt also jetzt.

9. Tag: Spaniens wasserreicher Norden – nächtliches Inferno

Nach dem Überqueren des Col d’Ares hatten wir 4 Stunden heftigen Regen. Heute Nacht um 2 Uhr legte es dann so richtig los. Das Gewitter tobte mit heftigem Regen und Strassenuberschwemmungen. Bernhard hat seinen Track verloren, sein Tacho und sein Handy fielen aus. Ich war bereits im Zelt und hatte alles vorbereitet, als ich beschlossen habe, alles wieder einzupacken – in STRÖMENDEM REGEN -, um ihn zu suchen. Er zitterte vor Kälte.

Für 5 Stunden war die weite Ebene bei Lleida hell erleuchtet und die Gewittergötter tanzten und ließen es krachen. Beeindruckend. –  Jetzt hatten wir jedenfalls beide unsere Wassertaufe und keine einzige trockene Radhose mehr. Auch sonst gibt es nicht mehr viel Trockenes, im Auto herrscht Chaos.

Heute Morgen haben wir Bernhard mit deutlicher Verspätung gemeinsam startklar gemacht, natürlich im Regen. Das Gewitter-Inferno hat ihn ziemlich zurück geworfen. Irgendwann auf so langer Reise war Regen ja zu erwarten, aber sooo? Wow!
Bernhards Kommentar nach dem Aufstehen, als er tiefend nass seinen Kaffee – ohne den geht es morgens nicht – getrunken hat: Naja, ist ja alles nur Wasser.

Ich gönne mir gerade einen schnellen Kaffee in der Bar. Gleich geht es wieder auf die Jagd.

10. Tag: Gegen den Wind Richtung Westen – durch die weiten, einsamen Ebenen Zentralspaniens

Bernhard fährt gerade vor mir über eine winzige Straße auf einer einsamen Hochebene im Süden Saragossas entlang. Diese 150 km gelten mental als der härteste Streckenabschnitt des Rennens. Die Landschaft ist traumhaft surreal. Die Weite unbeschreiblich und der Wind ist brutal.
Als Solofahrer muss man wahrscheinlich ein Camelbak voll Wasser auf den Rücken mitnehmen. Es ist wüstenähnlich trocken mit Bergformationen, die bisweilen einer Mondlandschaft gleichen. Man hat uns vorher gewarnt, dass sich auf dieser Strecke die meisten Teams zerstreiten; manche haben sich hier auch schon getrennt. Ich fahre seit einigen Stunden geduldig hinter Bernhard her. Er meint, das tut ihm gut und verleiht ihm schnellere Beine. Und obwohl er mit voller Kraft fährt, erreicht er auf ebener Strecke in diesem Windkanal nur 16 k/h im Durchschnitt.

Was ein Solofahrer in einer solchen Gewitter-Situation macht, habe ich mich gestern Nacht auch gefragt. Glücklicherweise waren die Solos immerhin noch nicht im Regengebiet.
Das Gewitter hat gestern einiges an Zeit gekostet, da Bernhard nicht so weit fahren konnte, wie eigentlich geplant. Jetzt sind wir mal gespannt, wie sich das weitere Rennen gestaltet. Es geht ja so auf den Endspurt zu. Auch Bernhard merkt natürlich die Müdigkeit sowohl im Kopf als auch in den Beinen. Wenn ich ihn so vor mir fahren sehe sehe, finde ich dennoch, dass er sehr stetig mit erstaunlich viel Kraft die Pedale weiter dreht und dem Wind trotzt.
Mich würde mal interessieren, wie viele Pedalumdrehungen er auf dieser Tour gekurbelt hat.

Bernhard hat jetzt das sogenannte Stage 15 von insgesamt 19 erreicht, das heißt, er ist genau 3477 km gefahren und hat noch 1.222 bis zum Ziel.

 11. Tag: Überraschend bergiger Naturpark Serrania de Cuenca und die Ebene südlich von Toledo

Hey Leute!
Ich bin absolut begeistert von unserem Trip! Wir entdecken Europa neu, jenseits der Haupttrassen, in einer Reisegeschwindigkeit, bei der viel Zeit bleibt, Eindrücke mitzunehmen und auch Inspiration, welche Gegenden zu einem weiteren Besuch und eingehenderen Erkundungen einladen. Auch Bernhard ist trotz aller Sitzprobleme total begeistert von der Landschaft. Die letzten beiden Etappen, ab südöstlich von Saragossa, waren total genial.

Auch wenn die heutige Etappe mit 3700 Höhenmetern diejenige mit den drittmeisten Höhenmetern der gesamten 19 Etappen ist, auch wenn Bernhard schon ziemlich müde ist, findet er die Land- und Ortschaften dennoch super reizvoll.
Die Straßen in Spanien sind überraschend klein und verkehrsarm. Bernhard meint, die spanischen Autofahrer seien bislang die angenehmsten auf der gesamten Tour, wohingegen er in Deutschland und Österreich am meisten Angst hatte, über den Haufen gefahren zu werden.

Die gesamte Route durch Frankreich, die auf der Landkarte in manchen Teilen erstmal ziemlich unspektakulär aussieht und auch die Überquerung der Pyrenäen mit ihrem saftigen Grün sind ebenso voller grandioser Eindrücke und als Reise absolut empfehlenswert.

Wenn man die paar grossen verkehrsreichen Strassen durch kleinere ersetzt, – allen voran die Poebene, manche Abschnitte durch Deutschland und Österreich und die Gegend um Lleida – kann ich diese Route durch Europa allen Radbegeisterten ans Herz legen.
Sie wäre ein super Vorschlag für einen SAP Teambuilding Event!

Der Track ist in 19 Etappen unterteilt. Sie sind fast alle 250 km lang.

Herzliche Grüße an euch alle, die ihr von zu Hause mit dabei seid, auch von Bernhard! Er freut sich sehr über eure motivierenden Worte und sie tragen ihn über die weiteren sieben Hügel und sind wahrscheinlich genauso Nahrung für seinem Geist wie Fresubin für seine Muckis.

Bernhard hat gerade die 16 Etappe begonnen. Er hat jetzt 3727 km hinter sich und noch 972 km bis zum Ziel.
Er sagt: „Spain rocks.“

12. Tag: Hitze – Sonnenstich in der Estremadura

Fortsetzung Krimi Folge 18: Bernhard von mörderischer Hitze gekillt.

Bereits morgens um 8:30 Uhr 30°C. Schnell noch in die Apotheke noch mehr Sitzcreme kaufen, Wasser laden und einen kurzen Kaffee für Mona bevor es ins Outback geht: Ein von Hitze durchgeglühtes Land, teilweise Ebenen ohne Baum, ohne Schatten, Täler, in denen die Luft steht und der Teer flimmert.

Dann ab 14 Uhr bis in die Abendstunden über 40°C mit Peaks von 43°C, auf dem Teer noch heißer. Es fühlt sich an wie im Backofen, 50er Sonnencreme nützt nichts mehr, die Sonne beißt sich in die Haut, in die Augen, geht den Kopf. Sogar die Grillen haben aufgehört zu zirpen.
Auf Bernhard zu warten wird selbst mit Klimaanlage zur Tortur. Sein Kopf wird immer roter, trotz des regelmäßig bewässerten T-Shirts.
Landsleute sprechen ihn an, er soll sich lieber in den Schatten setzen. HAHA! Wo ist der?? Der Mann an der Tankstelle schenkt mir eine Flasche mit gefrorenem Wasser „Tomes para ti ciclista.“
Die Sonne steht gefühlt senkrecht. Aber es hätte auch nichts genutzt nicht weiterzufahren, da war sowieso kein kühles Plätzchen für Siesta zu finden und Fahrtwind kühlt.

Bernhard ist in den letzten Tagen super gut drauf gewesen und richtig gut gefahren, trotz der unendlich vielen Kilometer in den Beinen, trotz der Hitze und des mangelnden Schlafs ist er, inklusive aller Pausen, gestern noch einen Schnitt von 18 km/h gefahren.
Ganz ehrlich: von allen Etappen dieser Tour war es diese Hitzeetappe, die ihn am meisten Körner gekostet hat. Am Abend hat er fiebrig geglüht, er musste sich hinlegen, wir haben Wadenwickel mit dem Eiswasser gemacht.

Um 24 Uhr waren es immer noch 34 °C. Er hat dann noch versucht nachts weiter zu fahren, aber so fiebrig wie er war, machte das keinen Sinn. Später im Zelt lag er neben mir und glühte immer noch. Ich habe dann erst mal eine „lange Schlafpause“ angeraten.

Heute Morgen ist unser Held dann nach 4,5 h Schlaf wieder auferstanden und weiter gerollt. Er hat heute bereits weitere 120 km bei lauschigen 30 °C zurück gelegt. Es verbleiben noch etwa 400 km bis zum Ziel. Die letzte Etappe wird mit rund 2500 Höhenmetern nochmal anstrengend.

Eigentlich wollten wir am Samstag in den frühen Morgenstunden in Gibraltar sein, aber nach dem gestrigen Tag mit dem zusätzlichen platten Reifen und der nötigen Wartung seines Hinterrads, wird es wohl noch ein bisschen länger dauern, bis wir ins Meer springen.

Und was gibt es sonst noch?
Er ist immer noch gut drauf, grinst und macht Witze. Wir haben immer noch und wieder Spaß.
Nachts bellen in einsamer Gegend verwilderte Hunde, in Andalusien sind die Häuser weiß, was angesichts der Sonneneinstrahlung absolut einleuchtet und hübsch aussieht. Im nördlichen Spanien waren sie eher steinig braun. Die Toiletten sind in ganz Spanien sehr sauber und in Andalusien besonders und obendrein kleine geflieste Kunstwerke, der Milchkaffee mit großem Tomatentoast und Oliven kostet hier auf dem Land 2 Euro. Und gerade eben habe ich auch noch eine Polizeikontrolle hinter mich gebracht mit sehr freundlich interessierten Gendarmen und einem auf Wasser wartendem Bernhard.

Endspurt in Andalusien – das schwüle Tal des Guadalquivir und die unerwartet steilen Höhenmeter der Alcornocales

Liebe Leute, zu meiner großen Überraschung muss ich sagen, dass Bernhard eigentlich wieder sehr gut in Form ist heute nach dem Fieber und dem Sonnenstich gestern. Es ist heute auch nur 33° Grad heiß – bislang.

Herzliche Grüße an euch von Bernhard! Hier bade ich Bernhards Trikots im Wechsel, damit er es immer schön kühl hat. Wir haben Kurs auf die Südspitze gesetzt! Es sind jetzt nur noch weniger als 320 km.

Im Moment funktioniert sogar der Tracker wieder und Bernhards Beinchen auch! Wir kommen gut voran bei mittlerweile 34 Grad im schwülen Flusstal des Guadalquivir und wãssern weiterhin regelmäßig Bernhards Trikots.

Bernhard quert gerade die Tiefebenen östlich von Sevilla – unglaublich schwül und sehr heiß. Er übergießt sich alle paar Minuten mit Wasser.

Nach den ersten 300 km hat Bernhard gerade eine Pause gemacht und sich ein bisschen hingelegt. Er ist nach 4500 km mittlerweile bei der letzten Etappe der Tour angekommen.

Gerade rollt er wieder in die Nacht, sogar mit funktionierenden Tracker. Es geht jetzt in die Berge mit weiteren 2400 Höhenmeter. Wir haben eine tolle Stimmung hier, der Mond scheint, die Grillen zirpen, ein kühler Wind weht. Bernhard meint, es läuft super und die Wattwerte seien gut.
🙂
Ich fahre hinter ihm her und leuchte ihm mit den Autoscheinwerfern den Weg aus, dann kann er es bergab besser rollen lassen . Eine wunderbare Nacht an euch alle, wo auch immer ihr gerade seid, vom Südzipfel Spaniens.

Wir haben jetzt nur noch unter 50 km. Diese letzten paar Berge sind die steilsten der gesamten Tour. Unglaublich!
Bernhard ist die Nacht durchgefahren. Jetzt hatte er gerade einen Kaffee und kämpft sich langsam aber sicher dem Ziel entgegen.

12 Tage, 22 h, 49 min: Gibraltar – Bernhard ist im Ziel

Hallo ihr Lieben, Bernhard ist um 9:29 Uhr ins Ziel gekommen. Die letzten Kilometer waren noch mal wirklich hart für ihn, weil die Berge so unglaublich steil waren. Es waren die steilsten Anstiege der gesamten Tour.

Wir danken euch ganz herzlich, dass ihr uns auf dieser Reise so wunderbar begleitet und motiviert habt! Es war uns eine Freude, dieses Abenteuer mit euch zu teilen und auch um eure Unterstützung zu wissen. Jetzt gehen wir erstmal schlafen. Vielleicht vorher noch duschen.

Ganz herzliche Grüße an euch alle von einem glücklichen Bernhard und einer glücklichen Mona

🌞 🌈 💕

Hier ist ein kurzes Video und ein Foto von Bernhards Zieleinfahrt:
Video: https://www.facebook.com/theraceacrosseurope/videos/2387375518251736/  
Foto: https://facebook.com/162880397055673/posts/2760956853914668?s=1816622462&sfns=mo

Hier geht es nochmal zur Facebook-Seite von Race Across Europe: https://www.facebook.com/theraceacrosseurope/

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